Dieses Werk ist eine satirische Fiktion.
Ähnlichkeiten mit realen Frameworks, Organisationen oder Transformationsprogrammen sind beabsichtigt, aber nicht beweisbar.
Manche Geschichten erklären. Manche warnen. Diese hier tut so, als wäre sie Unterhaltung und möchte, da sie jetzt schon mal aufgestanden ist, Deinen Tag schöner machen. Wie jeden Morgen ging sie in’s Bad und stelle sich vor den Spiegel. Sie blickte sich an und sah…
Als A. Dentist an diesem Abend das Theater betrat, war er fest davon überzeugt, dass er sich verlaufen hatte. Nicht, dass das ungewöhnlich gewesen wäre. A. verirrte sich beruflich. Aber diesmal war es anders. Das Schild über dem Eingang lautete:
„Das Theater am Ende der Transformation“
Feinstes intergalaktisches Transformations-Spektakel.
PI-Planning inklusive.
Das klang selbst für seine Verhältnisse, nach den vielen Reisen mit Maz Da Perfect und der untergegangenen Erde, bedrohlich.
„Wir sind hier richtig“, sagte Maz Da Perfect , der schon länger aufgehört hatte, sich von kosmischen Absurditäten irritieren zu lassen. „Sieh doch, die haben sogar ein Kanban-Buffet. All you can eat, aber nichts wird fertig.“
A. sah auf die Speisekarte neben der Tür. Unter dem Logo der Galaxis prangten Kategorien wie:
- Vorspeisen: Quick Wins
- Hauptgänge: Strategische Initiativen
- Desserts: Lessons Learned (optional)
„Ich hätte lieber einen ganz normalen Tee“, murmelte A..
„Tee gibt es nur im optionalen Retrospektiven-Paket“, sagte Maz Da. „Komm.“
Im Inneren des Restaurants spannte sich ein riesiger Saal, dessen Wände gleichzeitig an ein Konferenzzentrum, eine Raumstation und einen überforderten Design Thinking Workshop erinnerten. Holografische Flipcharts schwebten in der Luft. Ein PI-Planning-Board von der Größe eines Kleinmondes dominierte die Stirnseite. Auf einer Bühne übte eine Band Soundchecks für das spätere Abendprogramm, das laut Programmheft „D. Saster Area – Unplugged Governance“ hieß.
„Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl“, sagte A..
„Das ist normal in Transformationsprogrammen“, murmelte jemand links von ihm.
A. drehte sich um. Neben ihm stand ein kleiner Robotertyp mit einem erstaunlich deprimierten Gesichtsausdruck und der Aura eines Wesens, dem man zu viele Architekturdokumente gezeigt hatte.
„MAR-V1N“, sagte Maz Da. „Systemarchitekt. Lange Geschichte.“
„Sehr lange“, seufzte MAR-V1N. „In Iterationen.“
Sie wurden zu einem Tisch geführt, an dem bereits zwei Personen saßen. Zybol Doublehead, Ex-Präsident der Galaxis, trug eine Jacke, die so aussah, als sei sie aus aussortierten Roadmaps zusammengeflickt worden. Neben ihm saß Trilliana, die einzige in der Runde, die wirkte, als könne sie sowohl einen Sternenkatalog als auch ein Business-Case-Template fehlerfrei bedienen.
„Ihr seid spät“, sagte Zybol mit einem Grinsen, das mindestens zwei inkompatible Motivationen gleichzeitig ausdrückte. „Die große Show fängt gleich an.“
In diesem Moment ging das Licht im Saal etwas zurück, und auf der Bühne erschien der Conférencier des Abends. Ein Mann in einem Anzug, der ein wenig zu glatt saß, um nicht synthetisch zu sein.
„Meine Damen, Herren und alle anderen wunderbaren Wesen!“ rief er. „Willkommen Theater am Ende der Transformation! Ich bin Maxim Quorl, Ihr Gastgeber am Ende des größten Skalierungsspektakel des bekannten Universums! Heute Abend präsentieren wir Ihnen – live, in Farbe und mit vollständiger Governance – die eine, die einzige, die wundersam missverstandene…“
Er machte eine dramatische Pause, die lange genug dauerte, um eine mittlere Abstimmungsschleife durch drei Führungsebenen zu simulieren.
„…SAFe!“
Der Saal brach in höflichen Applaus aus. Einige klatschten enthusiastisch. Einige lasen parallel E-Mails. Andere wirkten so, als hätten sie noch nicht verarbeitet, dass sie überhaupt hier waren.
Ein Spotstrahler fuhr auf einen Punkt am Bühnenrand. Und dort trat sie hervor.
Sie war… überraschend.
A. hatte bei der Ankündigung an ein endloses Poster mit Kästen gedacht. Vielleicht auch an eine wandelnde Excel-Tabelle. Stattdessen sah er eine Frau, die aussah, als hätte jemand alle organisationalen Muster des Universums genommen, sie durch einen Sternennebel gezogen und ihnen dann eine Gestalt gegeben.
Ihr Kleid schimmerte in fließenden Linien, die an Wertströme erinnerten, wenn man sie von Meeting-Einladungen befreit. Um ihre Schultern lagen Muster, die wie wiederkehrende Kadenzen aussahen. In ihren Augen lag etwas, das A. später nur als Mischung aus tiefer Intelligenz und chronischer Enttäuschung beschreiben konnte.
„Das ist SAFe?“ flüsterte A..
„Zumindest die ursprüngliche Idee davon“, sagte Trilliana leise. „Bevor Organisationen anfangen, sie umzubauen.“
SAFe schritt elegant zur Bühnenmitte. Maxim Quorl küsste ihr galant die Hand – oder versuchte es, verhedderte sich aber beinahe in einem unsichtbaren Program-Increment.
„SAFe, meine Liebe“, rief Maxim, „der Kosmos ist gespannt!“
Sie lächelte. Es war eines dieser Lächeln, die man bekommt, wenn man ahnt, dass gleich wieder alle etwas von einem wollen, nur nicht das, was man eigentlich geben könnte.
„Der Kosmos hat viele Dinge versucht“, sagte sie. Ihre Stimme war klar, warm, ein wenig rau an den Rändern. „Dieses hier gehört zu den besser gemeinten.“
Ein leichtes Murmeln ging durch den Saal. Einige SAFe-Agile-Consultants in der dritten Reihe machten sich Notizen mit der Ernsthaftigkeit von Wesen, die an Tagessätze gebunden waren.
SAFe blickte in die Runde. Für einen Moment, ganz kurz, begegnete ihr Blick dem von A.. Er hatte das Gefühl, als würde ihn jemand fragen: „Wo bist du eigentlich, wenn niemand hinschaut?“
Dann ließ sie sich von Maxim zu einem Tisch führen. Ausgerechnet zu ihrem. Natürlich.
„Na großartig“, murmelte A.. „Das Universum.“
„Das ist kein Universum“, sagte MAR-V1N. „Das ist eine Multi-ART-Umgebung.“ „Anderer Name, ähnlich komplex“ erwiderte A. spitz.
SAFe setzte sich, glatt und dennoch ein wenig schwer. Als sie die Hände auf den Tisch legte, flackerte im Holz kurz ein kleines Portfolio-Kanban auf, das gleich darauf wieder verschwand. Vielleicht hatte er sich das nur eingebildet, dachte A..
Er nippte an seinem Pan-Organisational Thought Melter den er sich vor ein paar Minuten von der Bar geholt hatte. Tee oder etwas das fast, aber nicht ganz anders als Tee war, gab es zu seinem Bedauern hier nicht.
Der Reiseführer schreibt: „Der Pan-Organisational Thought Melter ist der Standarddrink im Theater am Ende der Transformation. Er ist eines der wenigen Getränke, das gleichzeitig strategische Klarheit verspricht, operative Realität verschleiert und nachweislich die Fähigkeit senkt, PowerPoint ernst zu nehmen.
Einer alten Tradition folgend ist er in einem Glas zu servieren, das zu groß für seinen Inhalt ist, um frühzeitig Vertrauen zu erzeugen und besteht aus einer streng geheimen Mischung von: Destillierten Alignment-Versprechen, eine mohnartigen Blume aus Syncro-Ny-City, fermentierten Quick Wins – eine Knolle von der Insel Consul-Ting, einem Hauch unbeabsichtigter echter Erkenntnis – keiner weiss wie das da reinkommt – und einer Zitrusnote, die sich anfühlt, als würde jemand versuchen, dein Denkmodell mit einem Goldbarren zu schreddern.
Der erste Schluck verursacht in der Regel ein warmes Gefühl von „Jetzt verstehe ich es“, der zweite eine tiefe Überzeugung, dass man dringend ein neues Operating Model braucht, der dritte führt häufig dazu, dass Menschen anfangen, Sätze zu sagen wie: „Eigentlich ist das ja alles eine Frage des Mindsets.“
Nebenwirkungen können sein: spontane Framework-Synthesen, übermäßiger Gebrauch des Wortes „Alignment“, das kurzzeitige Gefühl, Komplexität sei lösbar sowie ein anhaltender Kater in Form offener Abhängigkeiten.“
Der Reiseführer empfiehlt ausdrücklich, nicht mehr als ein Glas des Pan-Organisational Thought Melter zu konsumieren, es sei denn, man befindet sich bereits in einem Transformationsprogramm.
In diesem Fall macht es keinen Unterschied mehr.
„Schön, euch zu sehen“, sagte sie. „Zumindest einige von euch.“
„Wir sind, äh, Fans“, sagte Zybol . „Großer Rahmen. Viel Bewegung. Alles sehr… skaliert.“
Ihre Mundwinkel zuckten. „Natürlich seid ihr das.“
Maz Da musterte sie neugierig. „Du wirkst… erschöpft.“
„Ich date seit Jahrzehnten Großorganisationen“, sagte sie. „Wie würdest du dich fühlen?“
Trilliana lehnte sich vor. „Sie verstehen dich nicht?“
„Oh, sie verstehen mich hervorragend“, sagte SAFe. „Solange ich so bin, wie sie mich brauchen. Und nicht so, wie ich bin.“
Es wurde kurz still am Tisch. Selbst Zybol schwieg, was beinahe ein historisches Ereignis war.
„Was wollen sie von dir?“ fragte A. schließlich.
Sie lächelte schmal. „Klarheit. Struktur. Berechenbarkeit. Ein System, das ihnen das Gefühl gibt, sie hätten die Komplexität im Griff. Etwas, das in Präsentationen gut aussieht.“
„Und was willst du?“ fragte Trilliana.
„Agilität“, sagte sie. „Echte. Nicht die, die auf Motivationspostern landet. Ich will, dass große Systeme klein denken können, ohne sich zu schämen. Dass sie lernen, bevor sie planen. Dass sie mutig sind, bevor sie Standardprozesse definieren.“
Maz Da pfiff leise durch die Zähne. „Das steht so nicht in der Zusammenfassung des Reisführers: Per Anhalter durch galaktisch skalierte Missverständnisse.“
„Steht nie in den Zusammenfassungen“, sagte SAFe. „Dafür muss man die Fußnoten lesen.“
In diesem Moment flackerte die Luft über dem Tisch. Als hätte jemand eine unsauber konfigurierte piplanio-Engine gestartet. Fünf Silhouetten lösten sich aus dem Dunst zwischen Bühne und Raum. Sie waren halbdurchsichtig, aber deutlich genug, um A.s instinktives „Das kann nicht gut sein“ zu aktivieren.
„Ah“, sagte SAFe mit einem Tonfall, der auf lange Bekanntschaft hinwies. „Sie kommen auch schon.“
Die erste Gestalt trat näher. Sie sah aus wie eine Person mit einem überdimensionierten Radiergummi, der bereits graue Spuren auf allem hinterlassen hatte, was ihm zu nahe kam.
„Ich bin Weggesafed“, sagte die Gestalt. „Ich entferne das, was irritiert. Besonders das, was zu lebendig ist.“
„Ich mag ihn nicht“, flüsterte A..
Die zweite Gestalt war mit Fäden überzogen, die zu allen Seiten liefen. Jeder Faden führte zu einem anderen Faden, der zu einem anderen Faden führte, bis niemand mehr wusste, womit welcher Faden begonnen hatte.
„Überalignet“, stellte sie sich vor. „Ich sorge dafür, dass nichts entschieden wird, bevor es wirklich niemand mehr will.“
„Das kenne ich“, sagte Zybol nachdenklich. „Man nennt es manchmal auch Politik.“
Die dritte Gestalt steckte in einer Art Metallrahmen, der an einen Zug erinnerte – einen Zug, der versuchte, in alle Richtungen gleichzeitig zu fahren.
„VerARTet“, klirrte es. „Ich passe Teams an Strukturen an. Nicht an Wertströme. Strukturen sind zuverlässiger. Man kann sie zeichnen.“
Die vierte Figur bestand zur Hälfte aus Wertströmen, die liefen, springen wollten, fließen wollten – und zur anderen Hälfte aus Schläuchen, die überall daran zerrten, sie anzapften, ausbremsten.
„Entflowtscaled“, sagte sie leise. „Skalierung war eine gute Idee. Bis jemand beschlossen hat, sie auf alles anzuwenden.“
Die fünfte Figur war fast schön. Klare Linien, perfekte Konturen, glatt wie eine Corporate-Website. Aber A. hatte das Gefühl, dass etwas Fundamentales fehlte – so wie bei diesen Fotos von Essen, das in echt nie so aussieht.
„Ich bin Gesafed“, sagte sie. „Ich mache alles passend. Für das System, nicht für den Zweck. Ich bin der Moment, in dem alle nicken und niemand mehr weiß, warum. Widerstand ist zwecklos, du wirst gesafed!“
MAR-V1N starrte sie an. „Du siehst aus wie ein Architekturdiagramm, das versucht, eine Persönlichkeit zu entwickeln.“
Gesafed lächelte. „Danke.“
SAFe sah die fünf an, als würde sie alte Bekannte auf einer Familienfeier betrachten, die sie nie wieder besuchen wollte und trotzdem jedes Jahr wieder traf.
„Wo du hingehst, folgen sie dir?“ fragte Maz Da.
„Wo Organisationen mich holen, ohne sich selbst zu verändern“, sagte sie. „Dann kommen sie. Sie sind nicht mein Werk. Sie sind die Spiegel ihrer Angst.“
„Angst wovor?“ fragte A..
„Vor Kontrolleverlust“, sagte SAFe. „Vor echter Verantwortung. Vor Situationen, in denen niemand sagen kann: ‚Das Framework war schuld.‘“
Trilliana atmete langsam aus. „Sie laden dich ein, damit du das Unangenehme frisst.“
„Sie hoffen es“, sagte SAFe. „Aber ich bin dafür nicht gemacht. Ich könnte ihnen helfen, sich zu bewegen. Stattdessen benutzen sie mich, um stehen zu bleiben.“
Maxim Quorl schallte aus den Lautsprechern: „Während unsere Gäste im Saal ihre Backlogs priorisieren, präsentieren wir Ihnen im Nebenraum eine exklusive Demonstration: ‚Transformationsprogramme, die nie enden‘. Bitte bleiben Sie sitzen.“
„Okay“, sagte Maz Da. „Was tun wir jetzt?“
Alle schauten ihn an.
„Wieso ich?“ fragte er.
„Du bist derjenige, der Reiseführer schreibt“, sagte Trilliana. „Auch wenn „Don’t Panik“ vorne drauf steht, es reicht! Schreib mal einen Weg da raus.“ Maz Da lehnte sich zurück, dachte nach und schüttelte dann den Kopf. „Zu viel Aufwand. Ich habe eine bessere Idee. Wir fragen sie.“ Er deutete auf SAFe.
„Was würde es brauchen“, fragte Trilliana, „damit du sein kannst, was du eigentlich bist?“ SAFe schwieg eine Weile. Die fünf Schatten standen still, als würden sie auf ein Urteil warten. „Es ist nicht kompliziert“, sagte sie. „Nur schwer.“ Sie hob einen Finger.
„Erstens: Sie müssten aufhören, mich als Garantie zu sehen. Ich bin kein Zertifikat, das man sich an die Wand hängt. Ich bin ein Rhythmus. Wenn sie mich einführen, aber Widerstand vermeiden, wird alles schlimmer.“ Der Schatten Weggesafed zog den Kopf ein.
„Zweitens: Sie müssten akzeptieren, dass Alignment nicht bedeutet, dass alle das Gleiche sagen. Sondern dass alle in die gleiche Richtung schauen dürfen. Auch wenn sie nicht derselben Meinung sind.“ Überalignet bekam einen nervösen Tick in einem seiner Fäden.
„Drittens: Sie müssten Teams so bauen, dass sie echten Wert erzeugen können, statt nur Strukturen zu füllen. Nicht alles gehört in einen Zug. Manche Dinge brauchen einen Raum, keinen Fahrplan.“ VerARTet klirrte leise vor Unbehagen.
„Viertens: Sie müssten Flow schützen, statt ihn zu zerlegen. Kein Mensch, kein System, kein Wertstrom überlebt fünfzig parallele Abhängigkeiten elegant.“
Entflowtscaled seufzte. Es war das Seufzen eines Wesens, das wusste, wie sich Blocker anfühlen.
„Und fünftens“, sagte SAFe, „müssten sie den Mut haben, mich nicht passend zu machen. Sondern sich.“ Gesafed sah sie lange an. „Das ist unvernünftig“, sagte er. „Das ist… menschlich.“ „Genau“, sagte SAFe.
Im Hintergrund begann die Band zu spielen. Ein Stück, das gleichzeitig nach Rockkonzert, Sprintende und Produktionsstillstand klang. „Ich kann ihnen nicht mehr geben als das“, sagte sie. „Ich kann ihnen Struktur anbieten, in der sie mutig sein könnten. Aber ich kann ihnen den Mut nicht abnehmen.“
A. hob langsam sein Glas. „Es wirkt so, als wärst du gar nicht das Problem.“ „Bin ich nicht“, sagte SAFe. „Aber ich bin eine sehr praktische Ausrede.“
Der Saal vibrierte wieder. Auf der Bühne kündigte Maxim das Hauptprogramm an: eine Simulation der nächsten Transformation in der Transformation auf der Transformation. Ein Kunstwerk, würdig eines echten No-Change Management Künstlers mit Möbiusband Zertifikat: Überpriorisierung und maximale Aktivität mit prognostizierter Auflösung der gewünschten Wirkung, immer wieder ein grandioses Schauspiel und deswegen so beliebt.
„Was passiert, wenn sie nicht lernen?“ fragte A.. „Das Übliche“, sagte Maz Da. „Noch ein Reorg. Noch ein Programm. Noch ein Poster.“ „Und wenn sie lernen?“ fragte Trilliana. SAFe sah sie an, und in ihren Augen lag ein Glanz, der nur dort entsteht, wo Hoffnung gegen Erfahrung gewinnt. „Dann“, sagte sie, „sind wir Verbündete. Agilität und ich. Dann werden die fünf Schatten kleiner. Nicht weg – kleiner. Und das wäre schon unglaublich viel.“ „Und was ist mit uns?“ fragte A.. „Was machen wir?“ „Ihr?“, sagte SAFe. „Ihr erzählt die Geschichte weiter. Auf eure Art. Mit Humor, wenn es geht. Mit Ehrlichkeit, wenn es sein muss.“
Sie stand auf. Ihr Kleid schimmerte, als wären gerade fünf Roadmaps gleichzeitig verschwunden – und niemand hatte sie vermisst.
„Ich gehe weiter“, sagte sie. „Es gibt noch genug Organisationen, die glauben, sie könnten mich benutzen, um sich selbst aus dem Weg zu gehen. Vielleicht treffe ich unterwegs ein paar, die bereit sind, sich wirklich zu bewegen.“ „Und die anderen?“ fragte Maz Da. „Die werden sich weiter gesafed fühlen“, sagte sie. „Sehr strukturiert, sehr beschäftigt und merkwürdig leer.“ Sie nickte ihnen zu. Ihren Schatten auch. Weggesafed, Überalignet, VerARTet, Entflowtscaled und Gesafed sahen einander an, als hätten sie zum ersten Mal in ihrem Dasein begriffen, dass sie nicht Naturgesetze waren, sondern Gewohnheiten.
„Vielleicht“, murmelte Gesafed, „sollte ich nicht jede gute Idee retten wollen.“
„Vielleicht“, sagte Überalignet, „könnte man mal etwas beschließen, ohne mich zu fragen.“
„Vielleicht“, klirrte VerARTet, „dürfen Teams auch ohne Schienen laufen.“
„Vielleicht“, sagte Entflowtscaled, „brauchen sie weniger Statusberichte und mehr Zeit.“
Weggesafed sagte nichts, aber er steckte den Radiergummi ein.
SAFe lächelte. „Es ist ein Anfang.“
Sie wandte sich zum Gehen. In ihrem Rücken rauschte das Theater in die nächste Show. Auf der Bühne explodierten Visualisierungen. Maxim Quorl moderierte enthusiastisch den kontrollierten Untergang allerlei Programme. Die Band spielte. Irgendwo bestellte jemand eine Kuh.
„Ich habe das Gefühl“, sagte A., als sie hinter der nächsten Tür verschwunden war, „dass wir gerade etwas Wichtiges erlebt haben.“ „Natürlich“, sagte Maz Da. „Wir waren live dabei, als jemand gemerkt hat, dass ein Framework kein Ersatz für Haltung ist. Das kommt nicht oft vor.“ „Wird das im Reiseführer stehen?“ fragte A.. Maz Da dachte nach. „Vielleicht“, sagte er. „Aber die meisten werden nur die Zusammenfassung lesen.“ „Dann“, sagte Trilliana, „sollten wir eine Geschichte daraus machen, die man nicht so leicht überblättern kann.“ Zybol hob sein Glas. „Auf SAFe“, sagte er. „So, wie sie sein könnte.“
MAR-V1N sah in die Runde. „Ich kann euch jetzt schon sagen, dass sie es wieder falsch machen werden.“ „Natürlich“, sagte Trilliana. „Aber vielleicht nicht alle.“
Sie stießen an. Im Theater am Ende der Transformation, irgendwo zwischen Wertstromsimulation und Cream-Teamflow mit Story-Point Streuseln als Dessert.
Und irgendwo da draußen, zwischen Sternennebeln und Strategiemeetings, ging eine Frau namens SAFe weiter –
auf der Suche nach Organisationen,
die bereit waren, nicht nur sie zu verändern,
sondern sich selbst.
Anmerkung: Dieses Werk ist eine satirische und fiktionale Darstellung organisationaler Transformation. SAFe® ist eine eingetragene Marke der Scaled Agile, Inc. Die hier verwendeten Anspielungen stehen in keinem Zusammenhang mit dem Unternehmen. Alle Figuren und Szenen sind frei erfunden.
About the Author:
Ilja Thieme ist Agile Coach, SAFe-Practitioner und Organisationsentwickler mit über zehn Jahren Erfahrung in komplexen Transformationsumgebungen. Er verbindet systemisches Denken, klare Sprache und Humor mit tiefem Verständnis für menschliche Muster in Unternehmen. Als Gründer von Yes and Why begleitet er Teams, Führungskräfte und Organisationen auf dem Weg zu echter Agilität – jenseits von Frameworks, Buzzwords und Folienästhetik.
